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Hamburg Marathon 2008

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27.04.2008: Hamburg Marathon

Endlich war es soweit, gemeinsam mit meinem Vater fuhr ich nach Hamburg um dort Marathon zu laufen. Bereits vor vier Jahren hatten wir geplant die Königsdisziplin geimeinsam zu absolvieren - damals sollte es ein anspruchsvoller Landschaftsmarathon in Bad Pyrmont sein. Auch im letzten Jahr in Frankfurt sollte es verletzungsbedingt nicht klappen. Doch nun standen wir in St.Pauli gemeinsam an der Startlinie.

Mit 15.000 Gleichgesinnten ging es 8 Minuten nach dem Startschuss auch für uns los. Der erste Kilometer verlief direkt auf der Reeperbahn, hier säumten gleich Unmengen Zuschauer die Strecke. Es war über 20°C warm, ich lief mit einem ärmellosen Leibchen und kurzer Hose. Ich hatte meinen Schwamm dabei, eine Mütze und ein paar Energie-Gels. Das einzige was ich im Nachhinein vergessen hatte war die Sonnenmilch. 

Die ersten sechs Kilometer verliefen stadtauswärts Richtung Othmarschen, aufgrund schlechter Erfahrungen mit nervösen Läuferblasen hatten es sich einige Anwohner mit ihrem Frühstück vorsichtshalber direkt in ihren Einfahrten gemütlich gemacht um schlimmeres zu verhindern. Mit knapp 31 minuten für die ersten fünf Kilometer waren wir noch im Plan für eine Endzeit von 4:15h. Locker ging es zwei Mal links und schon waren wir auf der Elbchausse, die angesichts des Hafenpanoramas herlich zu laufen war. Bei Kilometer zehn gingen wir in 1:02:41 durch und es wurde langsam klar, dass dies zu langsam war. Doch auch wenn wir gewollt hätten, direkt am Hafen wurde die Straße so eng und es standen dermaßen viele Zuschauer das ein Überholen fast unmöglich wurde. So genoßen wir die Kulisse und schlugen Kurs Richtung Binnenalster ein.

Auch hier herschte ein super Stimmung, mein Vater regte sich allerdings auf, dass nur ich ständig persönliche Anfeuerungsrufe bekam. Da auf der Startnr. auch der Vorname zu sehen ist, machen die marathonerfahrenen Hamburger Zuschauer von dieser Information natürlich auch lautstark gebrauch. Bei Kilometer 17 sah man zur linken Hand die Strecke bei Kilometer 41,5. Zum Glück waren wir schnell genug und mussten der Spitze nicht beim Schlußspurt zusehen. Dies wäre zu deprimierend gewesen. So ging es am Ufer der Außenalster bis zur Halbmarathonmarke, die wir in 2:14:53 passierten. Eine Zeit von 4:15h war ausgeschlossen, ich tröstete mich damit, dass beim ersten Marathon doch nur das Ankommen zählt.

Langsam merkte ich das die Beine nicht mehr so frisch wie am Anfang waren, auch mein Vater begann über seine schmerzende Achillissehne nachzudenken, die sich die vergangenen Monate schon öfter geregt hatte. Zwischen Kilometer 22 und 23 meinte er zu mir, dass ich doch besser alleine weiterlaufen sollte, weil er heute noch mehrere Gehpausen wegen seiner Achillissehne einlegen würde. So war ich auf Höhe des Stadtparks alleine.

Kilometer 30, 3:15:09h: Ich sehe wie in der Ferne die Läufermassen die 36 Kilometemarke passieren, doch ich muss noch ein sechs Kilometer Schleife laufen - Warum? - Warum laufe ich hier eigentlich, meine Beine schmerzen immer mehr. An der nächsten Verpflegunsstelle klebe ich nahezu an der Straße fest, da 10.000 Läufer vor mir die Reste ihrer Energiedrinks auf den Boden geworfen habe. Ich laufe mit einem Schnitt der deutlich über 6min pro Kilometer liegt. Ich weiss jetzt das nicht jeder Kilometer gleich lang ist. Die Rathenaustraße wird immer länger und verflüchtigt sich am Horizont. Fragen über Fragen schießen mir durch den kopf. Schaffe ich das überhaupt? Habe ich genug trainiert?

Kilometer 35, 3:53:19h: Ich denke nur noch von einer Verpflegungssation zur nächsten. Alle 2,5km Kilometer gibt es Wasser, alle 5km alles was das Läuferherz begehrt. Bananen, Energiedrinks und es soll später auch noch Cola geben. Wenn ich bis dahin komme, dann schaffe ich es bestimmt, oder?

In Eppendorf bei Kilometer 37 steht Ute, unsere Gastgeberin in Hamburg, ein willkommener Anlass um mal wieder eine Gehpause einzulegen und sich noch einmal motivieren zu lassen. Zuschauermassen gröllen, Bands spielen und ich laufe mit Gänsehaut wie im Tunnel an der Massagestelle unter einer Unterführung vorbei. Wenn ich mich jetzt da hinlege, dann ist es vorbei. Der Kilometerschnitt ist mit 7 Minuten nicht der Rede wert, das Problem ist jedoch das es sich wie ein 4er Schnitt anfühlt.

Kilometer 40, 4:31:42h: Du hast gerade für die letzten 5 Kilometer über 35 Minuten gebraucht, - egal - ich weiss das ich es schaffe. So weit bin ich schon gelaufen und jetzt kann es nicht mehr härter kommen. Die Vorfreude auf's Ziel lässt die Anstrengungen zuvor vergessen machen und mir wird klar warum ich hier hinter den ersten 10.000 immernoch mitlaufe. Die letzte Unterführung, die letzte Rechtskurve - es kann nicht mehr weit sein.

Auf der Zielgeraden kommen mir dann tatsächlich die Tränen. Ein irres Glücksgefühl macht sich breit und nur mein eigener Wille war dazu im Stande mich bis hierher zu bringen. Nach Selbstzweifeln und einem tiefen Tal, fühle ich mich wie neu geboren. Mein Körper schreit nach Genugtuung und die erfährt er nach 4:47:52h im Ziel.

Wer schon immer einmal müde Beine sehen wollte, der kann sich hier u.a mein Finish auf der Glacichaussee ansehen.

Ich bin platt, muss mich erstmal hinlegen, die Beine hoch nehmen. Etwa 10 Minuten später sollte mein Vater ins Ziel kommen. Ich raffe mich wieder auf und mache mich auf den Weg Richtung duschen. Der Platz vor dem Stadion von St. Pauli ist riesig. Den Kleiderbeutel zu holen und die Duschen zu erreichen wird nochmals zur Herausfforderung, doch jetzt habe ich Zeit.

Am Nachmittag gehen wir zu dritt essen - natürlich Fisch - unsere Medaillen tragen wir als Zeichen unserer Willensstärke auf der stolzen Brust. Das soll nicht der letzte Marathon gewesen sein. Das muss noch schneller gehen. Auch wenn ein Weiser Mann einmal sagte, dass es für den Körper nichts besseres gebe als für einen Marathon zu trainieren, doch bitte laufen sollte man ihn nicht.

 

-Felix-

 

 

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