10Uhr in Frankfurt vor dem Messeturm. Wo sonst könnte man einen Sonntagmorgen besser beginnen als an der Startlinie des Frankfurt Marathons.
Es war bereits so warm, dass ich mir meines morgendlichen Kleidungsfehlgriffs bewußt wurde, aber für Umziehen war es jetzt zu spät.
Nach 10min überquerte ich dann tatsächlich die Startlinie. Mein Ziel war es den Marathon unter 4Std. zu beenden. Bei einer bisherigen Bestzeit aus dem letzten Jahr von 4:18:26, musste ich mich dafür also ordentlich steigern. Im Training war ich diesmal etwas fleißiger als bei meinen beiden vorigen Rennen über diese Distanz, aber bei durchschnittlich 35km/Woche in den zurückliegenden 10 Wochen ist dort noch deutlich Luft nach oben.Nach 200m blickte ich nach links und sah wie die Spitze bei km 4 vorbeirauschte - na ja - kein falscher Neid die Jungs müssen davon leben. Nach dem ersten Kilometer musste ich meine Kappe in die Hose stecken, da es sonst zu warm wurde. Aber die ersten Kilometer vergingen wie im Flug und ich lag bestens in der Zeit.

Ich pendelte mich bei einem Schnitt von 5:30 pro Kilometer ein, was ca.11sec schneller als das geforderte Tempo für eine Zeit von unter 4Std. war. Ich fühlte mich allerdings sehr gut und wußte, dass ich aufgrund meines Trainingszustands die 2.Hälfte unmöglich gleich oder gar schneller als die erste laufen konnte. So musste ich mir etwas Puffer für die 2.Hälfte erlaufen.
Dies klappte bis dato auch wunderbar.
Meine Eltern warteten bei Kilometer 7 und Kilometer 11 und wir haben uns in dem Getümmel mal wieder mit schlaffwandlerischer Sicherheit gefunden.
Als es bei Kilometer 12 über den Main nach Sachsenhausen ging, überholte ich die Gruppe mit den 4:00h Läufern, welche ca. 2min vor mir über die Startlinie gelaufen waren. Ich entschloss mich weiter mein Tempo zu laufen und diese Gruppe, falls sie mich später einholen sollte, nicht davon laufen zu lassen.
Nach 1:55:29 erreichte ich die Halbmarathonmarke, das bedeutete das ich die 2.Hälfte rund 10min langsamer laufen durfte wie die erste um noch unter 4 Stunden zu bleiben. Ich hatte mir dieses Jahr vorgenommen so wenig Pausen wie möglich zu machen, doch nachdem ich schon an der Startlinie auf die Toilette musste und mich 23km davon abgelenken konnte, musste ich nun an den Straßenrand an den nächstbesten Busch. Die Kilometersplits pendelten sich jetzt so um die 5:45 ein, daher freute ich mich schon auf die nächste emotionale Unterstützung an der S-Bahn Station Nied.
Nach einer klasse Anfeuerung, merkte ich leider viel zu früh wie weit es noch zum Ziel war. Dann der Schock kurz vor der Verpflegungsstation bei Kilometer 30, mein Bauch verkrampfte sich völlig und ich konnte ohne Schmerzen nicht mehr atmen. Ich nahm mir 2 Becher Apfelsaftschorle und musste ein paar Meter gehen. Dieser Kilometer wurde mit 6:36 dann auch der langsamste meines Rennens. Meine Zeiten sanken auf knapp unter einen 6er Schnitt, also 20sec. zu langsam und es dauerte nicht einmal bis Kilometer 34 als plötzlich die gelben Ballons mit der Aufschrift 4:00 neben mir auftauchten. Die Gruppe kam mir nun deutlich schneller vor als noch auf der Brücke bei Kilometer 12 und leider konnte ich ihnen keine 200m folgen. Ich wusste aber das ich "nur" noch einen 6er Schnitt laufen musste um noch unter 4Std. zu bleiben. Um dies zu erreichen muss ich mich im Training normalerweise mühsam zügeln, doch heute musste ich jeden Kilometer neu kämpfen um an die Vorgabe heranzukommen. An den Getränkestation bildeten sich nun kleine Pulks und ich konnte nicht so frei laufen wie ich das gerne getan hätte. Meine Beine wurden immer schwerer und nachdem Kilometer 35 in 6:15 wegging wußte ich das es heute sehr eng mit den 4Std. werden würde.
Ich erreichte Kilometer 40 in 3:48:05, d.h. ich hatte noch knapp weniger als 12min für 2,195 Kilometer. Ich ging noch einmal in mich und suchte noch nach den letzten Kraftreseven. Ich konnte leider nicht genau einschätzen wie lang ich meinen Endspurt ziehen konnte und entschied mich für den letzten Kilometer. Kilometer 41 in 5:53. Kilometer 42 dann mit Endbeschleunigung in 5:27, die letzten 195m in 49sec., aber das alles reichte am Ende nicht. Der Schlußspurt kam zu spät. Am Ende verbesserte ich meine Marathonbestzeit um 18 Minuten und 15 Sekunden und beendete das Rennen in 4:00:14. Videos zu meinem Lauf gibts es hier.
Im Ziel wagte ich nicht auf die Uhr zu sehen, da ich schon ahnte das es nicht gereicht hatte. Als ich es dann schließlich nach ein wenig Obst und Getränken tat, schoss mir sofort durch den Kopf: "Jetzt hast du wenigstens einen Grund noch einen Marathon zu laufen." Dann auf zum nächsten Versuch.
-Felix-










